Die Fahrbahn wurde auf einer Seite fast über die gesamte Länge bis zur Straßenmitte aufgebrochen, begrünt und durch große Findlinge vor Parkenden Autos geschützt. Ahnen&Enkel/Silke Reents

Nachhaltige Straßenraumsanierung Blücherstraße

Projektstatus

Umgesetzt/Fertiggestellt

Standort

Berlin-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg

Projekttypologie

Straßen und Plätze

Maßnahme

Entsiegelung oder teildurchlässige Flächenbefestigung Versickerung

Planungsbeginn

2025

Fertigstellung

2025

Kurzbeschreibung

Im Rahmen einer Ortsbesichtigung der Blücherstraße in Berlin Kreuzberg wurden die Fahrbahnschäden, infolge des Wurzelwachstums der Bestandsbäume unterhalb der Fahrbahn, festgestellt. Es wurde entschieden, auf eine einfache Fahrbahnerneuerung zu verzichten. Stattdessen wurden die Baumscheiben erweitert und bepflanzt. Das Niederschlagswasser kann nun teilweise vor Ort versickern und verdunsten, wodurch die Kanalisation entlastet und die Aufenthaltsqualität für die Anwohnenden verbessert wird.

Die Fahrbahn wurde auf einer Seite fast über die gesamte Länge bis zur Straßenmitte aufgebrochen, begrünt und durch große Findlinge vor Parkenden Autos geschützt.

Insgesamt wurden 1.200 Quadratmetern entsiegeln.

Wenn der Boden bei Starkregen nicht alles Wasser aufnehmen kann, gelangt es in die Gullys innerhalb der entsiegelten Flächen. Man spricht deshalb auch von Grünen Gullys.

Parkstreifen in der Blücherstraße, welcher entsiegelt wurde.

Über Rinnen zwischen den Bordsteinen kann Niederschlagswasser in entsiegelten Flächen fließen.

Zwischen Südstern und Baerwaldstraße wurde die Blücherstraße auch gleich zur Fahrradstraße umgebaut.

Projektdetails

  • Die Fahrbahn befand sich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand.
  • In der Blücherstraße reichten die Baumwurzeln weit unter die Fahrbahn und verursachten erhebliche Schäden an der Asphaltdecke.
  • Eine konventionelle Erneuerung der Asphaltdecke hätte ein Kappen der Wurzeln erfordert. Dadurch wäre die Standsicherheit der Bäume voraussichtlich gefährdet worden, was eine Fällung der Bäume hätte nach sich ziehen können.
  • Vor diesem Hintergrund war die Entwicklung einer alternativen Lösung erforderlich.
  • Erhalt der Bestandbäume.
  • Erweiterung der vorhandene Baumscheiben durch gezielte Entsiegelungsmaßnahmen.
  • Teilerneuerung der Fahrbahndecke.
  • Verbesserung der Wasser- und Sauerstoffversorgung der Bestandsbäume.
  • Entlastung der Kanalisation durch erhöhte Versickerung und Verdunstung auf den erweiterten und bepflanzten Baumscheiben.
  • Förderung der Biodiversität durch die Bepflanzung der Baumscheiben mit insektenfreundlichen Blühflächen.
  • Umwidmung zu einer Fahrradstraße
  • Insgesamt wurden auf beiden Straßenseiten 1.200 m² entsiegelt.
  • Auf einer Straßenseite wurden ausschließlich die durch Wurzelschäden betroffene Bereiche des Parkstreifens von Asphalt befreit. Zwischen den Bordsteinen wurden Rinnen als Zuläufe für Niederschlagswasser angelegt. Vom höchsten Punkt in der Fahrbahnmitte fließt das Niederschlagswasser über das natürliche Gefälle der Fahrbahn in Richtung der erweiterten Baumscheiben.
  • Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde die Fahrbahn aufgrund fast durchgängiger Wurzelschäden fast über die gesamte Länge bis zur Straßenmitte zurück gebaut.
  • Anstelle der ursprünglich 25 cm starken Asphalt- und Betonschicht befinden sich dort nun Boden- und Substrataufbauten. Große Findlinge verhindern das Parken auf der entsiegelten Fläche.
  • Asphaltiert sind nur noch die Einfahrten sowie die verbleibenden, nicht von Wurzelschäden betroffenen Stellplätze. Nur in diesen Bereichen ermöglichen Rinnen zwischen den Bordsteinen die Ableitung von Niederschlagswasser in die entsiegelte Fläche, da ausschließlich dort noch ein Gefälle von der Fahrbahnmitte aus besteht.

Die Umgestaltung der Blücherstraße in Berlin-Kreuzberg hat insgesamt 600.000 Euro gekostet. 210.000 Euro betrugen die Kosten für die Entsiegelung. Diese wurden teilweise durch Mittel des Umwelt- und Naturschutzamts finanziert. Eine konventionelle Neuversiegelung der Straße hätte rund 100.000 Euro gekostet.

  • Von 150 Stellplätzen wurden Neunzig Stellplätze entsiegelt. Die Resonanz der Anwohnenden fällt dennoch überwiegend positiv aus, da die Straße verkehrssicherer und grüner gestaltet worden ist.
  • Es handelt sich um eine vergleichsweise einfache Sanierungsmaßnahme, welche nur wenige Monate gedauert hat.
  • Da es sich um eine Flächenversickerung handelt, brauchte es keine Genehmigung der Wasserbehörde, was die Umsetzung zusätzlich vereinfachte.
  • Statt einer reinen Neuversiegelt und möglicher Baumfällungen wurde bewusst eine Lösung zugunsten des Baumbestandes, der Regenwasserbewirtschaftung und der Klimaanpassung gewählt.

Ansprechpartner:in

Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin; Straßen- und Grünflächenamt