Schwammstadt Berlin: Regenwasser clever nutzen statt ableiten

Berlin ist auf dem Weg zur Schwammstadt. Regenwasser wird zunehmend nicht einfach über die Kanalisation abgeleitet, sondern vor Ort zurückgehalten. Dieses Wasser kann dann genutzt, verdunstet oder versickert werden – ähnlich wie bei einem Schwamm, der Wasser aufsaugt und bei Bedarf wieder abgibt. Die Grafik zeigt ausgewählte Lösungen.

Schwammstadt-Grafik

KLIMAWANDEL UND STÄDTISCHES WACHSTUM

Warum Berlin zur Schwammstadt werden muss

Mit der Schwammstadt reagiert Berlin auf die Folgen des Klimawandels. Heute schon erleben wir mehr Hitzetage, die ein Risiko für die Gesundheit des Menschen sind. Längere Dürren können Bäume und Pflanzen stressen und häufigere Starkregen die Kanalisation überlasten, Gewässer verunreinigen und zu Überflutungen in der Stadt führen.

Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Ein Zuviel oder Zuwenig an Regen wird Berlin in Zukunft noch stärker prägen. Und durch die zunehmende Versiegelung von Flächen in Folge städtischen Wachstums werden die Probleme sogar noch verschärft.

Überflutung in Folge von Starkregen in Berlin 2017 - die Schwammstadt hilft, die Stadt resilienter zu machen. shutterstock / christianthiel.net
Ältere Dame, die unter Hitze leidet, auf einer Bank in Berlin. KI-generiertes Bild mit exactly.ai KI-generiertes Bild mit exactly.ai
Tote Fische in der Berliner Spree - Die Schwammstadt bietet Lösungsansätze um die Eutrophierung der urbanen Gewässer einzudämmen. Deutscher Angelfischerverband e.V., Clemens Wildt
Trockenschäden an einer Linde - die Schwammstadt kann bietet Lösungsansätze Pflanzenschutzamt Berlin

Überflutungsgefahr durch Starkregen

Starkregen kann durch die Berliner Kanalisation nicht abgeführt werden und verwandelt Verkehrswege in gefährliche Wasserflächen. Solche Überflutungen bedrohen nicht nur Gebäude und Infrastruktur, sondern auch die Sicherheit der Menschen. Als Schwammstadt kann Berlin zumindest einen Teil des Regenwassers zurückhalten und speichern.

1.850
Starkregen in Berlin und Brandenburg zwischen 2002 und 2022
450
Mio. € Sachschaden wurden durch diese Ereignisse registriert

Gesundheitsrisiken durch Hitze und Luftverschmutzung

Versiegelte Flächen und eine dichte Bebauung führen zu Hitze. Darunter kann die Gesundheit leiden, besonders von Kindern, älteren und chronisch kranken Menschen. Blau-grüne Maßnahmen wie bepflanzte Mulden oder Dach- und Fassadenbegrünung kühlen mittels Verdunstung die Umgebung und verbessern die Luftqualität. Bäume spenden zudem Schatten. So lässt sich die Lebensqualität in der Stadt verbessern.

23
Hitzetage 2022 in Berlin
416
hitzebedingte Todesfälle als Folge

Überlastete Kanalisation und verschmutze Gewässer

Im innerstädtischen Bereich kommt es bei Regen des Öfteren zu Mischwasserüberläufen: Stark verdünntes, aber unbehandeltes Abwasser aus der Mischwasserkanalisation läuft in die Berliner Oberflächengewässer. Es kommt zu Belastungen und vermehrtem Fischsterben.
30-60
Tage im Jahr, an denen Mischwasser in Berliner Oberflächengewässer läuft

Trockenstress für Stadtgrün und sinkende Grundwasserspiegel

Anhaltende Trockenheit bei steigender Verdunstung und sinkende Grundwasserspiegel gefährden nicht nur das Stadtgrün, sondern auch die Versorgungssicherheit mit Trinkwasser in unserer Stadt. Als Schwammstadt kann Berlin Regenwasser speichern, Bäume und Pflanzen versorgen sowie zur Grundwasserneubildung beitragen.

6.000
Stadtbäume werden in Berlin jährlich gefällt, häufig als Folge von Trockenstress
20-75
Prozent prognostizierter Rückgang der Grundwasser-Neubildung in Berlin bis 2050

FÜR MENSCH UND NATUR

Vorteile der Schwammstadt

Die Schwammstadt bietet Berlin zahlreiche Vorteile: Sie verbessert Stadtklima und Stadtökologie, trägt zur Hitze- und Überflutungsvorsorge bei und sorgt für mehr grüne und blaue Oasen in unserem Alltag.

Grünes Klassenzimmer - Spiel- und Retentionsfunktion. Schwammstadt in der Schule

Angenehmes Stadtklima an heißen Tagen

Ob mehr Bäume im Straßenraum oder entsiegelte und begrünte Schulhöfe: Mehr Stadtgrün kühlt die Stadt und trägt damit zum Erhalt der Lebensqualität bei.
Beispiel Grundschule St. Ursula
begrünte Ecke neben Straße - Entsiegelung im Graefekiez als Schwammstadt-Maßnahme

Lebensräume für Tiere und Pflanzen

Durch mehr Grün schaffen wir nicht nur wertvolle Lebensräume und fördern die Biodiversität, sondern tragen auch zu einem lebendigeren Stadtbild bei.
Beispiel Graefekiez
(Regen-)Taufe für die neu bepflanzte Mulde - Mulden als Schwammstadt-Maßnahme

Mehr Grundwasser durch Versickerung

Bepflanzte Versickerungsmulden speichern und versickern Regenwasser und tragen damit zur Grundwasserneubildung bei.
Kajakruderer im Berliner Landwehrkanal

Saubere Gewässer für alle

Durch Maßnahmen zur Reduktion von Stoffeinträgen und Mischwasserüberläufen können wir die Wasserqualität der Berliner Oberflächengewässer verbessern.
Esther Knoblich - Geschäftsführerin Förderverein Freie Waldorfschule am Prenzlauer Berg - im Schwammstadt Portrait Andreas [FranzXaver] Süß
»Regenwasser soll für die Kinder sichtbar und erlebbar bleiben und nicht sofort unter der Erde verschwinden.«
Esther Knoblich Geschäftsführerin Förderverein Freie Waldorfschule am Prenzlauer Berg
Claus Lutterbeck - Dachgarten Friedenau Andreas [Franz Xaver] Süß
»Ich gärtnere für mein Leben gern.«
Claus Lutterbeck Journalist im Ruhestand und begeisterter Dachgärtner
Susanne Moll - Mitarbeiterin bei hoch C Landschaftsarchitekten im Schwammstadt Portrait hochC Landschaftsarchitekten/Foto: Marcus Witte
»Alles Gute kommt von oben. Man muss es nur zu nutzen wissen.«
Susanne Moll hochC Landschaftsarchitekten
Birgit Eberhardt von der GSW Sigmaringen im Schwammstadt - Portrait GSW Sigmaringen
»Es ist im Grunde absurd, Flächen zu versiegeln und große Regenwasserrohre zu verlegen, wenn es auch dezentral geht.«
Birgid Eberhardt GSW Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg mbH

POLITISCHE UND RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN

Gute Voraussetzungen für die Schwammstadt

Berlin soll Schwammstadt werden. Verwaltungen, Wohnungsunternehmen, Immobilieneigentümer:innen, Planer:innen und Bürger:innen: Sie alle sind aufgefordert, Regenwasser nicht mehr über die Kanalisation abzuleiten, sondern vor Ort zu bewirtschaften – zum Wohle der Stadt, ihrer Bewohner:innen und ihrer Natur. Um sie dabei zu unterstützen, hat das Land Berlin wichtige Weichen gestellt.

Der Umbau Berlins zur Schwammstadt ist seit 2016 fester Bestandteil der Koalitionsvereinbarungen des Berliner Senats. Mit Maßnahmen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung wie Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung von Flächen und der Speicherung, Versickerung, Verdunstung und Nutzung von Regenwasser sollen die Kanalisation entlastet, der Gewässerschutz gestärkt und den Herausforderungen des Klimawandels begegnet werden.

Wer neu baut oder bestehende Gebäude grundhaft saniert, darf das anfallende Regenwasser nur noch in begründeten Ausnahmefällen in die Kanalisation einleiten. Die Bewirtschaftung auf dem Grundstück ist die Regel. Diese Vorgabe gilt seit 2018 und ist nachzulesen in der„Begrenzung von Regenwassereinleitungen bei Bauvorhaben in Berlin“, kurz: BReWa-BE.

Mit dem „Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung” (BENE II) und “GründachPLUS” stellt das Land Berlin in großem Umfang Fördergelder für Maßnahmen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung bereit. Auch über Programme des Bundes und der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW können Mittel beantragt werden.

Senatorin Regine Günther, Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe, und Dr. Darla Nickel, Leiterin der Berliner Regenwasseragentur Benjamin Pritzkuleit
Berliner Wasserbetriebe

Unterstützung durch die Regenwasseragentur

Die Berliner Regenwasseragentur ist 2018 als gemeinsame Initiative des Landes Berlin und der Berliner Wasserbetriebe gegründet worden. Sie sensibilisiert für die Notwendigkeit der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, informiert über und berät zu Fragen der Planung und Umsetzung, vernetzt und organisiert Weiterbildungs- und Dialogangebote. Ihre Services richten sich an Verwaltungen, Wohnungsunternehmen, Immobilieneigentümer:innen, Planer:innen und Bürger:innen in Berlin.