Schwammstadt Berlin: Regenwasser clever nutzen statt ableiten
Berlin ist auf dem Weg zur Schwammstadt. Regenwasser wird zunehmend nicht einfach über die Kanalisation abgeleitet, sondern vor Ort zurückgehalten. Dieses Wasser kann dann genutzt, verdunstet oder versickert werden – ähnlich wie bei einem Schwamm, der Wasser aufsaugt und bei Bedarf wieder abgibt. Die Grafik zeigt ausgewählte Lösungen.
KLIMAWANDEL UND STÄDTISCHES WACHSTUM
Warum Berlin zur Schwammstadt werden muss
Mit der Schwammstadt reagiert Berlin auf die Folgen des Klimawandels. Heute schon erleben wir mehr Hitzetage, die ein Risiko für die Gesundheit des Menschen sind. Längere Dürren können Bäume und Pflanzen stressen und häufigere Starkregen die Kanalisation überlasten, Gewässer verunreinigen und zu Überflutungen in der Stadt führen.
Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Ein Zuviel oder Zuwenig an Regen wird Berlin in Zukunft noch stärker prägen. Und durch die zunehmende Versiegelung von Flächen in Folge städtischen Wachstums werden die Probleme sogar noch verschärft.
FÜR MENSCH UND NATUR
Vorteile der Schwammstadt
Die Schwammstadt bietet Berlin zahlreiche Vorteile: Sie verbessert Stadtklima und Stadtökologie, trägt zur Hitze- und Überflutungsvorsorge bei und sorgt für mehr grüne und blaue Oasen in unserem Alltag.
Angenehmes Stadtklima an heißen Tagen
Lebensräume für Tiere und Pflanzen
Mehr Grundwasser durch Versickerung
Saubere Gewässer für alle
Andreas [FranzXaver] Süß
»Regenwasser soll für die Kinder sichtbar und erlebbar bleiben und nicht sofort unter der Erde verschwinden.«
Andreas [Franz Xaver] Süß
»Ich gärtnere für mein Leben gern.«
hochC Landschaftsarchitekten/Foto: Marcus Witte
»Alles Gute kommt von oben. Man muss es nur zu nutzen wissen.«
GSW Sigmaringen
»Es ist im Grunde absurd, Flächen zu versiegeln und große Regenwasserrohre zu verlegen, wenn es auch dezentral geht.«
POLITISCHE UND RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
Gute Voraussetzungen für die Schwammstadt
Berlin soll Schwammstadt werden. Verwaltungen, Wohnungsunternehmen, Immobilieneigentümer:innen, Planer:innen und Bürger:innen: Sie alle sind aufgefordert, Regenwasser nicht mehr über die Kanalisation abzuleiten, sondern vor Ort zu bewirtschaften – zum Wohle der Stadt, ihrer Bewohner:innen und ihrer Natur. Um sie dabei zu unterstützen, hat das Land Berlin wichtige Weichen gestellt.
Der Umbau Berlins zur Schwammstadt ist seit 2016 fester Bestandteil der Koalitionsvereinbarungen des Berliner Senats. Mit Maßnahmen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung wie Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung von Flächen und der Speicherung, Versickerung, Verdunstung und Nutzung von Regenwasser sollen die Kanalisation entlastet, der Gewässerschutz gestärkt und den Herausforderungen des Klimawandels begegnet werden.
Wer neu baut oder bestehende Gebäude grundhaft saniert, darf das anfallende Regenwasser nur noch in begründeten Ausnahmefällen in die Kanalisation einleiten. Die Bewirtschaftung auf dem Grundstück ist die Regel. Diese Vorgabe gilt seit 2018 und ist nachzulesen in der„Begrenzung von Regenwassereinleitungen bei Bauvorhaben in Berlin“, kurz: BReWa-BE.
Mit dem „Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung” (BENE II) und “GründachPLUS” stellt das Land Berlin in großem Umfang Fördergelder für Maßnahmen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung bereit. Auch über Programme des Bundes und der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW können Mittel beantragt werden.
Benjamin Pritzkuleit
Berliner Wasserbetriebe
Unterstützung durch die Regenwasseragentur
Die Berliner Regenwasseragentur ist 2018 als gemeinsame Initiative des Landes Berlin und der Berliner Wasserbetriebe gegründet worden. Sie sensibilisiert für die Notwendigkeit der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, informiert über und berät zu Fragen der Planung und Umsetzung, vernetzt und organisiert Weiterbildungs- und Dialogangebote. Ihre Services richten sich an Verwaltungen, Wohnungsunternehmen, Immobilieneigentümer:innen, Planer:innen und Bürger:innen in Berlin.