Grüner Stadtraum: Der Hegelplatz in Berlin-Mitte
Ahnen & Enkel/Silke Reents
Der Hegelplatz war über Jahrzehnte einer dieser Orte, an denen man sich nicht unnötig lange aufhalten wollte. Dabei liegt er in unmittelbarer Nähe zur Humboldt-Universität und ist einer der wenigen öffentlichen Freiräume in der dicht bebauten Berliner Dorotheenstadt. Angelegt wurde er in den 1970er Jahren auf ehemaligen Trümmergrundstücken. In den vergangenen Jahren hat der Bezirk Mitte den Hegelplatz in weiten Teilen entsiegelt und zu einer lebendigen grünen Oase entwickelt. Ein ausgeklügeltes Regenwasserkonzept macht ihn zugleich zu einem wichtigen Baustein der Schwammstadt Berlin.
„Vor der Umgestaltung war der Boden hier weitgehend zugepflastert. Es gab lediglich drei provisorische Beete und eine eingerahmte Wiese mit einigen alten Haselnussbäumen“, berichtet Jan Siewert aus dem Fachbereich Planung, Entwurf, Neubau des Bezirksamtes Mitte von Berlin beim Spaziergang am 15. Mai 2025. „Fast das gesamte Regenwasser lief über sechs Hofeinläufe in die Kanalisation.“ 2019 rief der Bezirk einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Hegelplatzes aus. Gewonnen haben ihn die Landschaftsarchitekten aus dem Büro Franz Reschke. Der erste Bauabschnitt wurde im Juni 2024 fertiggestellt, der zweite Ende 2025.
Ahnen & Enkel/Silke Reents
»Vor der Umgestaltung war der Boden hier weitgehend zugepflastert.«
Ahnen & Enkel/Silke Reents
Im Zentrum des Hegelplatzes befindet sich eine große Rasenfläche, die die angrenzenden Wegeflächen mittels Flächenversickerung entwässert.
Ahnen & Enkel/Silke Reents
Heute rahmen die alten sowie neu gepflanzte Bäume den gesamten Platz ein. Im Zentrum befindet sich nun eine große Rasenfläche, die nur durch einen diagonalen Weg durchbrochen ist und die angrenzenden Wegeflächen mittels Flächenversickerung entwässert. Im Norden bilden Kastanien ein schattiges Dach. Niederschläge können direkt im Boden versickern, auf allen Wegen liegt wasserdurchlässiges Pflaster. An der Westseite, im Straßenabschnitt „Hegelplatz“, fließt das Regenwasser über ein leichtes Gefälle zu vier Filterrinnen und wird dort mithilfe eines natürlichen Substrats gereinigt, bevor es langsam ins Grundwasser sickert. Ergänzt wird die dortige Entwässerung auf der Ostseite der Straße durch zwei Grüne Gullys, welche einen Teil des anfallenden Niederschlagswassers vor Ort halten und versickern. „Auf der Ostseite ist der Einbau von Filterrinnen nicht möglich, deshalb haben wir uns in intensiver Abstimmung mit den Berliner Wasserbetrieben für eine Mischvariante aus dezentraler Versickerung und Einleitung in den Mischwasserkanal entschieden“, erläutert Siewert.
Im südlichen Teil des Hegelplatzes gibt es nur noch einen kleinen gepflasterten Vorplatz. Das hier anfallende Niederschlagswasser wird zu einer mit unterschiedlichen klimaresilienten Sträuchern und Baumhasel bepflanzten Versickerungsmulde geleitet. „Damit das Wasser in der Mulde besser versickern kann, haben wir den Boden bis zu zwei Meter tief ausgehoben und mit durchlässigem Substrat ersetzt. Es hält zugleich Schadstoffe und andere Verunreinigungen aus den Niederschlägen zurück.“
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Gepflasterter Vorplatz im südlichen Teil des Hegelplatzes: Das hier anfallende Niederschlagswasser wird zu einer mit unterschiedlichen klimaresilienten Sträuchern und Baumhasel bepflanzten Versickerungsmulde geleitet.
Nicht nur die große Grünfläche und die vielen Sitzbänke rund um den Platz tragen dazu bei, dass sich Studierende und Passant:innen inzwischen gerne auf dem Hegelplatz aufhalten. Auch die drei Granitskulpturen Tisch, Schale und Bogen werten ihn auf. Der Tisch wird häufig als Tischtennisplatte genutzt, Schale und Bogen als Sitzgelegenheiten. „Bei Regen wird die Schale dann zum Wasserspiel“, sagt Siewert.
Die klimaangepasste Umgestaltung des Hegelplatzes hat insgesamt 1,84 Millionen Euro gekostet. Davon entfielen etwa 72.000 Euro auf Versickerungsbeete und Filterrinnen. Finanziert wurde das Ganze zum größten Teil (rund 1,6 Millionen Euro) aus dem Berliner Plätzeprogramm der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, 245.000 Euro stammen vom Bezirk Mitte.
Den Austausch fördern
Seit 2024 organisiert die Berliner Regenwasseragentur regelmäßig Erkundungsspaziergänge durch Berliner Kieze, in denen niedrigschwellige Lösungen bereits erfolgreich umgesetzt wurden. Das fördert den informellen Erfahrungsaustausch untereinander. Die Spaziergänge sind vor allem für die Vertreter:innen von Straßen- und Grünflächenämtern, Stadtentwicklungsämtern und Senatsverwaltungen sowie die Klimaschutzbeauftragten der Bezirke gedacht. Aber auch alle anderen Interessierten sind willkommen.
2026 sind weitere Spaziergänge in Planung.
Ansprechpartner bei der Regenwasseragentur ist Daniel Geisler (daniel.geisler@regenwasseragentur.berlin)