Gemeinschaftsunterkunft Baumschulenweg

Projektstatus

Umgesetzt/Fertiggestellt

Standort

Berlin, Treptow-Köpenick

Projekttypologie

Ein-‚ Zweifamilien- oder Reihenhaus

Maßnahme

Dachbegrünung

Fertigstellung

2019

Wohneinheiten

78

Kurzbeschreibung

Retentionsdach, Rasenmulden, versickerungsfähiges Pflaster: In einer Gemeinschaftsunterkunft in Berlin-Treptow reicht das Regenbewirtschaftungskonzept vom Dach bis unter die Erde. Die Bewährungsprobe beim Starkregen im Mai 2019 hat es bestanden, es gab keine Überflutungen.

Pflastersteine mit Wasserdurchlässigkeit

Gemeinschaftsunterkunft in der Chris-Gueffroy-Allee

Wasserrückhalteboxen für Retentionsdächer

Aufbau des Retentionsdaches

Einlauf in die Versickerungsmulde

Solaranlage auf extensivem Gründach

Retentionsdach mit Drossel

Projektdetails

Planerische Vorgaben der Wasser- und der Naturschutzbehörde sowie die örtlichen Gegebenheiten machten eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung technisch notwendig.

 

Mit dem Hinweisblatt zur Begrenzung von Regenwassereinleitungen bei Bauvorhaben in Berlin (BReWa-BE) wurde die Einleitung von Niederschlagswasser in Kanalisation oder Gewässer stark begrenzt. Zudem befindet sich das Grundstück im Trinkwasserschutzgebiet.

Verpflichtend wäre der Überflutungsnachweis einer 30-Jährlichkeit gewesen. Der Bauherr STADT UND LAND wollte sich noch besser absichern und plante das Vorhaben sogar für den maximal möglichen Schutz (100-Jährlichkeit).

Bei den drei Gebäudekomplexen der Gemeinschaftsunterkunft funktioniert die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung über eine Kombination verschiedener Maßnahmen:

 

  • Versickerungsfähigen Pflasterbelag auf den Wegen
  • Rasenmulden
  • Begrünte Retentionsdächer in Kombination mit Solaranlagen

Zusätzlich wurden die Retentionsdächer auf den drei Gebäuden mit einer Drossel ausgestattet: Ein im Dachablauf integrierter Anstauregler begrenzt die abfließende Wassermenge. Dadurch kann bei Starkregen noch mehr Wasser zurückgehalten und anteilig verzögert abgegeben werden. Gleichzeitig steht dadurch den Pflanzen länger Wasser zur Verdunstung zur Verfügung. Das Niederschlagswasser, das dann noch über die Fallrohre nach unten fließt, wird über gepflasterte und offene Rinnen zu den Rasenmulden geleitet. Jedem Gebäude ist eine zugeordnet.

 

Große Teile der 5.000 Quadratmeter sind als Nutzfläche ausgelegt: Für die Feuerwehr, die das komplette Gelände erreichen können muss, für einen Spielplatz, mehrere Müllentsorgungsbereiche und Fahrradstellplätze. Allerdings erhöhen auf den befestigten Wegen spezielle Fugen zwischen den Pflastersteinen die Wasserdurchlässigkeit. Sie sind an beiden Seiten mit einer Sickerkammer ausgestattet und die Wege haben ein leichtes Gefälle in Richtung der Grünflächen. Das Fugen- und Bettungsmaterial hat außerdem eine integrierte Filterfunktion, die im Trinkwasserschutzgebiet relevant ist. Auch die 30 Zentimeter dicke Mutterbodenschicht in den Mulden hat eine natürliche Reinigungsfunktion.

Das System hält einem Starkregen stand, der statistisch gesehen nur alle 100 Jahre auftritt und 24 Stunden anhält. Einem Jahrhundertregen also, der mit 101,6 Liter pro Quadratmeter heruntergeht. Mittels Software-Modellierung wurde der zugehörige Überflutungsnachweis für das Grundstück erstellt.

 

Da sich das Grundstück im Trinkwasserschutzgebiet befindet und der Abstand zwischen Grundwasser und Geländeoberkante nicht groß genug ist, wurden zum Schutz des Grundwassers keine unterirdischen Rigolen zur Versickerung des Regenwassers umgesetzt. Die Maßnahmenkaskade aus Retentions-Gründächern, versickerungsfähigen Pflastern und Versickerungsmulden ist dennoch ausreichend.

 

Um den Auflagen der Naturschutzbehörde gerecht zu werden, befinden sich auf jedem Dach kleine Erdhügel für Insekten. Die unter Artenschutz stehende Gemeine Knoblauchkröte bekam auf dem Grundstück eine eigene Fläche. Zum Laichen nutzen die Kröten den Teich auf dem Nachbargrundstück.

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