Regenwasserbewirtschaftung Speicherballett

Projektstatus

Umgesetzt/Fertiggestellt

Standort

Berlin, Spandau

Projekttypologie

Geschosswohnungsbau Grün- und Freizeitanlagen

Maßnahme

Regenwassernutzung Urban Wetlands‚ Verdunstungsbeete oder künstliche Wasserflächen Versickerung

Fertigstellung

2024

Grundstücksfläche

2.9 ha

Wohneinheiten

352

Kurzbeschreibung

Unser Projekt an der Parkstraße in Berlin-Spandau umfasst die Entwicklung eines neuen Wohnquartiers mit ca. 550 Wohn- und 100 Gewerbeeinheiten. Besonderes Augenmerk liegt auf der integrierten Regenwasserbewirtschaftung, die durch innovative Technologien und bauliche Maßnahmen realisiert wird. Denkmalgeschützte Speichergebäude entlang des Havelufers werden dabei in das Konzept integriert. Ziel ist eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen und eine effektive Bewältigung anspruchsvoller Standortbedingungen.

Projektdetails

Die BUWOG Group GmbH entwickelt auf dem Projektgebiet an der Parkstraße in Berlin-Spandau ein neues Wohnquartier mit ca. 550 Wohn- und 100 Gewerbeeinheiten. Das Projektgebiet ist in mehrere Teilgebiete unterteilt, die schrittweise bebaut werden. Das Herzstück des Quartiers bilden die drei denkmalgeschützten Speichergebäude entlang des Havelufers, welche kernsaniert werden. Die neu erbauten Gebäudekomplexe auf den angrenzenden Baufeldern sind über Tiefgaragen miteinander verbunden, auf denen erhöhte nutzbare Hof-, Spiel- und Grünflächen entstehen. Für die ersten beiden Teilbaugebiete (1,4 ha und 1,5 ha) plant und baut das IB Kraft die Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung.
Es wurden Regenwasserbewirtschaftungskonzepte entwickelt, die den anfallenden Niederschlagsabfluss vollständig auf dem Grundstück zurückhalten und bewirtschaften. Der Oberflächenabfluss der Freiflächen wird über Rigolen und Versickerungsmulden auf dem Grundstück versickert.
Die Freiflächen auf der TG-Decke werden über Drainagematten entwässert. Die Gebäude des ersten Baugebiets verfügen über ein zusammenhängendes System zur Regenwasserbewirtschaftung (Baufelder WA2.2 und MI3). Der Niederschlagsabfluss aller Dach- und Terrassenflächen wird über separate Leitungsnetze in eine zentrale Zisterne abgeleitet und dort gespeichert.
Vor Einlauf in die Zisterne wird das Niederschlagswasser in Reinigungsschächten mechanisch vorgereinigt. Das in der Zisterne gespeicherte Regenwasser wird für die Toilettenspülung und Bewässerung der Privatgärten und Gemeinschaftsgrünflächen der Neubauten genutzt. Vor der Einspeisung in die Brauchwassernetze wird das vorgereinigte Regenwasser zusätzlich über Sandfilteranlagen gereinigt. Die Zisterne verfügt über eine Entleerungsleitung, über die bei Vollfüllung überschüssiges Regenwasser in eine Versickerungsmulde gefördert werden kann.
Das gespeicherte Wasser wird in der Zisterne regelmäßig umgewälzt, um trotz der langen Aufenthaltszeiten die Wasserqualität aufrechtzuerhalten. Die Pumpen zur Wasserverteilung im Gesamtsystem werden automatisch über die Wasserstände in den einzelnen Anlagenkomponenten gesteuert. Die Rahmenbedingungen des Standorts stellen sich als anspruchsvoll dar.
Das Grundstück liegt direkt an der Havel, wodurch der Flurabstand zum Grundwasser sehr gering ist. Die Versickerung über Rigolen ist nur in den künstlich erhöhten Bereichen des Grundstücks möglich. Um den Bau der Anlage in einem wirtschaftlichen Rahmen zu halten, war es erforderlich, die Zisterne und die weiteren Schachtbauwerke oberhalb des anstehenden Grundwassers zu errichten, was den Betrieb eines eingestauten Leitungsnetzes erforderlich machte.
Projektdetails:

  • Parkstraße 13 – SpeicherBallett
  • Planungspartner:
    Büro Stefan Wallmann
    BRH Generalplaner GmbH
    Landschafts.Architektur Birgit Hammer
    GFB Alvarez & Schepers
  • Auftraggeber: BUWOG Group GmbH

Teilgebiet 1 im Bau Fertigstellung 2021

  • Grundstücksfläche: 1,40 ha
  • Gebäudeanzahl: 5
  • Wohneinheiten: 232
  • Dachfläche: 5.300 m²
  • Freifläche: 8.750 m²

Teilgebiet 2 Baubeginn Dez. 2020

  • Grundstücksfläche: 1,50 ha
  • Gebäudeanzahl: 6
  • Wohneinheiten: 120
  • Dachfläche: 4.600 m²
  • Freifläche: 10.500 m²

Das Hauptziel des Bauvorhabens ist die Schaffung eines neuen Wohnquartiers in Berlin-Spandau, das etwa 550 Wohn- und 100 Gewerbeeinheiten umfasst und sowohl die historische Bedeutung der denkmalgeschützten Speichergebäude als auch moderne Wohnkonzepte integriert.
Ziele der Regenwasserbewirtschaftung:

1. Vollständige Rückhaltung, Reinigung und Nutzung des Regenwassers, um eine Null-Abfluss-Siedlung mit Brauchwassernutzung zu erreichen.

2. Effiziente Entwässerung der Freiflächen durch Versickerungsanlagen und Nutzung von Rigolen, Drainagematten und Filterschächten.

3. Verwendung des gereinigten Regenwassers zur Toilettenspülung und Bewässerung der Grünflächen, um den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren und die Nachhaltigkeit zu fördern.

Mehrwerte der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung:

1. Verbesserung des Mikroklimas durch die Schaffung von attraktiven Freiräumen und Grünflächen.

2. Unterstützung der Artenvielfalt durch ökologische Entwässerungssysteme und Begrünung.

3. Versorgung der Vegetation mit gereinigtem Regenwasser, um eine nachhaltige Pflege und Entwicklung der Grünanlagen zu gewährleisten.

Bauliche Maßnahmen

  1. Zentrale Zisterne: Die zentrale Zisterne dient als Hauptkomponente zur Regenwasserspeicherung. Sie ist als rechteckiger Kanal aus Stahlbeton erbaut und befindet sich unter der wasserseitigen befahrbaren Freifläche entlang der Speichergebäude. Das gesammelte Regenwasser wird in der Zisterne gespeichert und für verschiedene Zwecke genutzt, einschließlich Toilettenspülung und Bewässerung von Gärten und Grünflächen.
  2. Mechanische Vorreinigung: Vor der Speicherung in der Zisterne wird das Regenwasser mechanisch vorgereinigt, um gröbere Schwimmstoffe, Sedimente und Feinpartikel zurückzuhalten. Dies geschieht durch den Einsatz von Filterschächten und gegebenenfalls einer Sedimentationsanlage mit integriertem Leichtflüssigkeitsabscheider für stark belastetes Terrassen- und Balkonwasser.
  3. Druckleitungsnetz: Das Regenwasser wird von der Zisterne über Druckleitungen in die Gebäude gefördert, wo es für die Toilettenspülung und andere Zwecke verwendet wird. Die Druckleitungsanlage gewährleistet einen kontinuierlichen Wasserfluss zu den Verbrauchsstellen.
  4. Rückhaltung und Versickerung: Neben der Speicherung in der Zisterne wird überschüssiges Regenwasser bei Vollfüllung über eine Entleerungsleitung in Versickerungsmulden gefördert. Auf den Freiflächen erfolgt die Ableitung und Versickerung des Regenwassers über Rigolen und Versickerungsmulden, wobei auch Drainagematten und Sickerpackungen zur Entwässerung eingesetzt werden.

Herausforderungen und technische Lösungen

  1. Regenwassermanagement bei Starkregen: Angesichts potenzieller Starkregenereignisse wurden das Entwässerungssystem und die Speicherkapazitäten der Zisterne entsprechend dimensioniert, um Spitzenabflüsse zu bewältigen und Überflutungen zu vermeiden. Durch Simulationen und Berechnungen wurde das erforderliche Speichervolumen ermittelt und die Zisterne entsprechend dimensioniert.
  2. Ressourcenoptimierung und Nachhaltigkeit: Die Planung und Umsetzung der Regenwasserbewirtschaftung berücksichtigt ökologische Aspekte und die Nutzung regenerativer Ressourcen. Durch die Wiederverwendung von Regenwasser für nicht-trinkwasserbezogene Zwecke wird die Trinkwasserverbrauch reduziert und die Nachhaltigkeit des Projekts gesteigert.
    Insgesamt wurden durch eine umfassende Planung und die Implementierung verschiedener baulicher Maßnahmen und technischer Lösungen die Herausforderungen bei der Regenwasserbewirtschaftung berücksichtigt und so die Realisierung des Projekts ermöglicht.
  3. Brauchwassernutzung: Verwendung des gereinigten Regenwassers für die Toilettenspülung und Bewässerung der Grünflächen gemäß den festgelegten Anforderungen und Vorgaben.
    Diese Maßnahmen und Lösungen bilden die Grundlage für eine effektive Regenwasserbewirtschaftung und tragen dazu bei, ökologische und städtebauliche Ziele zu erreichen.

Kostenschätzung Wasserwirtschaftliche Anlagen 724.900 €

  1. Integration historischer Gebäude: Die denkmalgeschützten Speichergebäude entlang des Havelufers werden sorgfältig in das Gesamtkonzept integriert und für die Regenwasserbewirtschaftung genutzt, während ihr historischer Charme erhalten bleibt.
  2. Nachhaltiges Wassermanagement: Das Projekt verfolgt das Ziel einer Null-Abfluss-Siedlung mit Brauchwassernutzung, wodurch Regenwasser vollständig gesammelt, gereinigt und für verschiedene Zwecke im Quartier wiederverwendet wird.
  3. Innovative Entwässerungslösungen: Angesichts der Herausforderungen unter anderem die Nähe zum Grundwasser und Altlastenflächen wurden innovative Entwässerungssysteme wie Rigolen, Drainagematten und Filterschächte entwickelt, um Regenwasser effektiv zu bewirtschaften und Umweltauflagen zu erfüllen.
  4. Dezentrale Regenwasserbewirtschaftung: Das Konzept sieht eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung vor, bei der das Regenwasser direkt vor Ort gesammelt, gereinigt und genutzt wird, was zu ökologischen Vorteilen wie der Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs und Förderung der Biodiversität führt.
  5. Bauliche Herausforderungen: Die Lage des Grundstücks an der Havel und die frühere Nutzung als Industriestandort stellten besondere Herausforderungen dar, die durch spezielle bauliche Maßnahmen und technische Lösungen wie die Errichtung von Zisternen und Bodenaustausch bewältigt wurden.
  6. Integration moderner Wohnkonzepte: Neben der Erhaltung des historischen Erbes werden moderne Wohnkonzepte integriert, die attraktive Freiräume und Grünflächen auf den Dächern der Tiefgaragen bieten und das Quartier lebendig und lebenswert machen.