Wohnquartier 52° Nord

Projektstatus

in Planung oder Bau

Standort

Berlin, Treptow-Köpenick

Projekttypologie

Quartier in Planung oder Bau

Maßnahme

Dachbegrünung Entsiegelung oder teildurchlässige Flächenbefestigung Urban Wetlands‚ Verdunstungsbeete oder künstliche Wasserflächen Versickerung

Fertigstellung

2026

Grundstücksfläche

10 ha

Wohneinheiten

950

Kurzbeschreibung

Wo zu DDR-Zeiten der VEB Berlin-Chemie Arzneimittel und Pestizide produzierte, herrscht nach umfangreichen Bodensanierungs- und Bauarbeiten heute maritimes Flair. Im Quartier 52° Nord wurde im ersten Bauabschnitt ein 6.000 m² großes Wasserbecken geschaffen: Das Herzstück des Schwammstadt-Quartiers wird aus dem Niederschlagswasser der umliegenden Häuser gespeist. Bis 2026 entsteht ein nachhaltiges Quartier für alle Generationen.

Künstliche Wasserfläche als Maßnahme dezentraler Regenwasserbewirtschaftung im Neubau-Quartier 52° Nord

Wasserbecken im 52 Grad Nord

Künstliche Wasserfläche als Maßnahme dezentraler Regenwasserbewirtschaftung im Neubau-Quartier 52° Nord

Torhaus mit Überlaufbecken

Torhaus II und Kapitänshäuser

An den Ufern des künstlichen Sees führen breite Gehwege entlang, stehen Bänke.

Die künstlichen Seen bieten nicht nur den Anwohnenden Erholung, sondern sind öffentlich zugänglich.

Projektdetails

Der ehemalige Chemie-Standort an der Dahme hinterließ seine Altlasten: Schon der Voreigentümer hat das gesamte Erdreich bis zum Grundwasser abtragen lassen, um den Boden wieder zu sanieren.

Ziel war ein Bau eines nachhaltigen Neubauquartiers unter Einhaltung der Vorgaben der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz und somit keine Einträge von  Niederschlagswasser in Kanalisation oder Gewässer bei dem Neubau. Zudem müssen für das Quartier Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen getroffen werden.

Dass überhaupt Wohngebäude und Wasserflächen entstehen durften, ist der umfassenden Bodensanierung zu verdanken.
Die 25 bzw. 80 Zentimeter tiefen Wasserbecken speisen sich über unterirdische Rohre aus dem Regenwasser der umliegenden Gebäude, dem Stadtplatz sowie den anderen versiegelten Flächen im direkten Umfeld der Becken. Zugleich sorgen sie für sommerliche Kühlung und somit gerade bei starker Hitze für ein angenehmes Mikroklima. Sinkt der Wasserspiegel während längerer Trockenphasen ab, kann es mit Trinkwasser aufgefüllt werden. Im Normalfall besteht keine Verbindung zu der Dahme. Nur bei Starkregen wird das Wasser in den Fluss geleitet, um Überschwemmungen zu vermeiden.

In den Sommermonaten wird das Wasser über zwei Pumpenanlagen umgewälzt und in einem Filtersystem gereinigt. Die Pumpen versorgen auch die beiden Wasserspiele am Stadtplatz vor dem künstlichen Gewässer. Im Winter sind die Pumpen aus. Zum einen könnten sie einfrieren, zum anderen sind sie nicht nötig. Denn dann sorgen die vielen Sumpfpflanzen und Gräser, die den künstlichen See seitlich einfassen, für eine ausreichende natürliche Reinigung.

 

Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung im Quartier 52° Nord geht noch über den künstlichen See hinaus. So haben viele Häuser begrünte Dächer. Ein Teil des Niederschlags wird hier in der mit niedrigen Gewächsen bepflanzten Substratschicht zurückgehalten und verdunstet. Bei den Grundstücken, die nicht direkt an die Wasserbecken grenzen, wird das Niederschlagswasser außerdem über Mulden und unterirdische Rigolen dem natürlichen Kreislauf zugeführt. Dadurch versickert das Wasser langsam ins Erdreich. Vor den Zuleitungen in die Rigolen hält ein Sandfang Feststoffe zurück.

Anfangs hat die BUWOG das Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft der TU Berlin beauftragt, die Wasserqualität zu prüfen. Nun ist das Aufgabe der Wohnungseigentümer:innen. Es wurde eine Miteigentümergemeinschaft gegründet und der künstlichen See symbolisch für 1.000 Euro an die Bewohnenden übertragen. Jede Partei hat einmalig einen Euro bzw. die direkt am Wasser Wohnenden zwei Euro bezahlt.
Für die Beauftragung von Fachfirmen zahlt jede Partei 7 bzw. 14 Euro im Monat. Auf der anderen Seite sparen die umliegenden Eigentümer:innen Niederschlagswassergebühren.

Die Wasserfläche dient zugleich als sogenannte Ausgleichsmaßnahme: Um Eingriffe in Natur und Landschaft zu kompensieren, müssen bei Bauvorhaben Ausgleichsflächen geschaffen werden, die Boden und Wasserhaushalt, Menschen, Tieren und Pflanzen zugutekommen. Diese Ausgleichsfläche bietet der künstliche See, der nicht nur für die direkten Anwohner:innen für Erholung sorgt, sondern auch öffentlich zugänglich ist.

Die TU Berlin, die über reichlich Erfahrung zum Thema Wasseraufbereitung verfügt, war hier von Anfang an involviert. Seit der Inbetriebnahme im April 2017 überprüft sie regelmäßig die Wasserqualität. Alle ein bis zwei Monate fährt Daniel Geisler vom Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft zum Quartier 52° Nord und nimmt Proben.

Aus rechtlichen Gründen durften die privaten Rohrleitungen nicht unter den öffentlichen Straßen verlegt werden. Deshalb kann von hier der Regen nicht in die Wasserbecken geleitet werden. Bei allen öffentlichen Wegen wird der Niederschlag wiederum über Schächte aufgefangen und mittels Sandfang gereinigt. Von hier fließt er dann in die Dahme.